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BSD Pressekonferenz am Internationalen Hurentag

Neue Pressekonferenz und Kampagne des Bundesverband Sexuelle Dienstleistungen (BSD)

Am 2. Juni lud der Bundesverband Sexuelle Dienstleistungen e.V. (BSD) zu seiner Jahrespressekonferenz 2022 nach Berlin ein. Die Veranstaltung fand passenderweise im FKK-Club Artemis statt, dem größten und vielleicht bekanntesten Bordell der Hauptstadt. Auch das Datum hatte eine Bedeutung, denn am 2. Juni wird jedes Jahr der Internationale Hurentag begangen, welcher als der inoffizielle Gedenktag gegen Diskriminierung und Benachteiligung von SexarbeiterInnen gilt. Die Tradition geht zurück auf den 2. Juni 1975, als 100 Prostituierte die Kirche Saint-Nizier im französischen Lyon besetzten, um auf ihre prekären Lebensverhältnisse aufmerksam zu machen. Durch die Veranstaltung führte Stefanie Klee, Vorstandsvorsitzende des BSD, die bereits seit den frühen 2000er Jahren als Aktivistin erfolgreich für die Rechte von Prostituierten kämpft.

Sexarbeit – ein Thema, viele Facetten

Die Pressekonferenz startete im Rahmen einer Gesprächsrunde, an die sich nach einigen Vorträgen die Fragen des Publikums und der anwesenden Journalisten anschließen sollten. Nach einleitenden Worten von Frau Klee kam Hakki Simsek zu Wort, der seit etwa 20 Jahren das Artemis betreibt. Er sprach über die Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit mit Behörden, welche immer noch Akzeptanzprobleme mit der Legalität von Sexarbeit hätten und es teilweise nicht so recht schaffen, ihre althergebrachten Vorurteile aufzugeben. Weiter gab Herr Simsek Einblicke in das Konzept seines Betriebes und die zahlreichen dazugehörigen Maßnahmen, die getroffen werden, um Prostituierte zu entlasten und zu schützen. Sein Fazit: lasst uns alle zusammen die Sexarbeitsbranche zu einem besseren Ort machen, frei von Zwang und Stigma. Er lässt nicht unerwähnt: in den letzten 16 Jahren hätten bereits 5 Sexarbeiterinnen aus dem Artemis einen ihrer Kunden geheiratet.

Prostitution und Feminismus – Gegensatz oder Einklang?

Anschließend sprach Seyran Ates, eine feministische Anwältin für Menschenrechte und Mitgründerin einer liberalen Moschee in Berlin. Sie erzählt davon, wie sie früher strikt gegen Prostitution war und erst auf Empfehlung einer protestantischen Pfarrerin im direkten Kontakt mit Sexarbeiterinnen Einblicke in die Realität dieser Branche erhielt. Seit dem sei sie begeistert vom Zusammenhalt der so tätigen Frauen und kommt klar zum Punkt: wer schlecht über Prostituierte redet, der solle sich schämen. Jede Frau in der Szene habe ihre individuelle Geschichte und Gründe, kein Klischee könne die Vielfalt der Prostituierten treffend beschreiben. Unverhohlen spricht sie das immer wiederkehrende Thema Zwangsprostitution an und wie sich dagegen vorgehen lässt. Wie vor ihr Herr Simsek lädt auch sie alle Interessierten ein das Artemis zu besuchen, um sich von den realen Bedingungen in der Sexarbeit zu überzeugen. Der Betrieb sei viel zu groß um etwas zu verstecken. Sie spricht Sexarbeiterinnen eine hohe Liebe zur Freiheit zu, nimmt aber auch die staatlichen Akteure in die Pflicht, die Förderprogrammen in der Prostitution oftmals die Gelder kürzen.

Kritik an den Prostitutionsgesetzen kam auf

Eine weitere Rednerin auf der Pressekonferenz war die Anwältin Dr. Margarete Gräfin von Galen, die juristischen Sachverstand in die Veranstaltung mit einbrachte. Sie zeigte auf, wie deutsche Behörden Prostitution oft automatisch in kriminelle Kontexte einordnen und so pauschal diskriminieren. Dies führe bereits beim Bau und Betrieb von Prostitutionsstätten zu Herausforderungen, die für andere Branchen so nicht gelten würden. Beim Thema Recht und Gesetze hakte auch Stefanie Klee wieder ein: nach ihrer Argumentation seien speziell für die Prostitution geltende Gesetze überflüssig. Denn im Strafrecht wären alle oft mit dem Rotlicht in Verbindung gebrachten illegalen Tätigkeiten, etwa Körperverletzung und Freiheitsberaubung, bereits abgedeckt. Es gehe demnach also nicht darum, neue Gesetze einzuführen oder Sexarbeit durch Überregulierung zu diskriminieren, sondern um die konsequente Verfolgung bereits bestehender Straftatbestände. Fazit: wichtiger als neue Vorschriften sind aufgeklärte SexarbeiterInnen, ein echter Opferschutz sowie Behörden ohne Vorurteile.

Der Ausblick des BSD: Rechte stärken, Aktionismus verhindern

Nachdem anschließend einige Fragen der anwesenden JournalistInnen und BesucherInnen beantwortet wurden, ging es noch um die neue Kampagne des BSD. Diese widmet sich dem Kampf gegen die Kriminalisierung der Kunden von Sexarbeit. Denn immer wieder geraten diese in das Visier der Behörden und werden dem sogenannten ‘Schwedischen Modell’ gemäß verfolgt. Dieses Modell ist in Deutschland zwar (noch) nicht beschlossen, allerdings gibt es immer wieder politische Kräfte, welche versuchen, dieses quasi durch die Hintertür einzuführen. Um diesem Treiben entgegenzuwirken hat der BSD jüngst die Kampagne “www.bringt-das-in-ordnung.de” gestartet, die sich direkt an das Bundesjustizministerium wendet und einen Stopp der Kriminalisierung von Freiern fordert. Auf der genannten Website kann eine Petition unterzeichnet werden, die für einen modernen Umgang mit dem Thema Sexarbeit wirbt. Diesen Aufruf können wir nur zu gerne unterstützen. Die Jahrespressekonferenz des BSD hat gezeigt, welche Themen zur Zeit den in der Sexarbeit tätigen Menschen unter den Nägeln brennen und genau auf diese Personen sollten Politik und Verwaltung wohl hören, wenn sie über deren Berufsleben und mehr entscheiden.

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