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Ugly Mugs - Online-Plattform gegen Gewalt in Sexarbeit

Ugly Mugs – die Online-Plattform gegen gewalttätige Freier

In den Niederlanden wurde erst kürzlich die Online-Plattform Uglymugs.nl gestartet, auf welcher SexarbeiterInnen gewalttätige KundInnen eintragen können. Wenn ein Mitglied der Plattform dann einen neuen Kunden überprüfen möchte und dieser ist bereits ist auf Ugly Mugs als problematisch eingetragen, kann diese Person noch rechtzeitig von den SexarbeiterInnen abgewiesen werden, bevor es zu einem potenziellen Übergriff kommen könnte. Das gesetzte Ziel ist dabei die Risikominimierung in Prostitution und Sexarbeit sowie ein Beitrag zur Schaffung eines sicheren und zeitgemäßen Arbeitsumfelds in der gesamten Branche.

Ugly Mugs will SexarbeiterInnen stärken

Die übergeordnete Mission von Ugly Mugs ist der Kampf gegen die in allen Gesellschaften stark vertretenen Vorurteile gegen SexarbeiterInnen, denn Stigma und Marginalisierung tragen auf unterschiedlichen Ebenen zur Problementstehung in diesem Bereich bei. So kommt es angeblich immer wieder vor, dass Anzeigen von Prostituierten, die Gewalt erfahren haben, nur wenig Gehör geschenkt wird. Außerdem haben SexarbeiterInnen gerade in Ländern, in welchen Sexarbeit nicht legal ist, berechtigte Angst davor, bei der Anzeige von Gewalterfahrungen ebenfalls in juristische Bedrängnis zu geraten. Daher bietet Ugly Mugs nicht allein eine Meldefunktion für aggressive Freier, sondern führt auch Aufklärungsarbeit bei Polizei, Politik und Ärzten durch, um diese für die spezifischen Herausforderungen in der Sexarbeit zu sensibilisieren. 

Ugly Mugs gibt es schon seit 2013

Während das niederländische Uglymugs.nl seit 2022 online ist, gibt es dieses Angebot in Großbritannien und Irland bereits seit 2013. Dort nennt sich das Projekt National Ugly Mugs, oder kurz: NUM. Das Team dahinter besteht aus ehemaligen und aktiven SexarberInnen, AktivistInnen der Prostitutionsbewegung sowie SozialarbeiterInnen, die sich mit dem Themenkomplex Sexualität, Trauma und Migration beschäftigen. Die Vision von Ugly Mugs besteht in der Vermeidung jeglicher Art von Gewalt gegen Sexarbeitende. Um dies zu erreichen, führt die Organisation auch Forschungsprojekte durch, die neue hilfreiche Erkenntnisse und Maßnahmen hervorbringen sollen. Des Weiteren gehört auch die Vermittlung von Wissen an Sexarbeitende sowie eine Lebens- und Rechtsberatung in Problemsituationen zum Angebot von Ugly Mugs. Finanziert wird das Ganze von staatlichen Einrichtungen wie z.B. dem niederländischen Justizministerium und die Plattform entstand auf Initiative einer Rotlicht-Gewerkschaft sowie einer Anti-HIV-Stiftung.

Wäre das nicht auch was für Deutschland?

So weit es uns bekannt ist, gibt es in Deutschland noch keinen Ableger von Ugly Mugs oder eine vergleichbare Plattform. Dabei wäre ein solches Angebot sogar mit dem deutschen Datenschutzgesetz DSGVO vereinbar. Trotzdem gibt es auch hierzulande Vorreiter auf diesem Gebiet. Das in Bochum stark vertretene Erotikportal Erobella etwa, hat jüngst eine Funktion auf seiner Online-Plattform eingeführt, mit der sich unerwünschte KundInnen melden und blockieren lassen. Auch so kann Fehlverhalten früh geahndet werden, durch eine Sperrung aggressiver User, die anschließend keinen Zugang zu den Kontaktdaten der SexarbeiterInnen mehr haben. Dies können allerdings nur erste Schritte sein. Die Aktivitäten von Ugly Mugs zeigen schließlich, dass es noch einiges zu tun gibt beim Thema Gewaltprävention, zumindest dort, wo Unprofessionalität und Illegalität eine gefährliche Mischung ergeben können.

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